Interview mit Andy Albert:

zum Text im Gemee Bläddla 3-17 (auf Seite 19) von Rudi Dümpert.

Was waren deine Aufgaben, als sich abzeichnete, dass die Mannschaft in die 1. Bundesliga aufsteigen könnte?

Albert: „Das war ein ganzes Paket voll: Es waren zum Beispiel etliche Gespräche mit den Sponsoren. Wir mussten durch den Aufstieg unseren Etat nahezu verdoppeln und deshalb neue dazu gewinnen. Es waren Gespräche mit den Spielern und die Planung der Mannschaft für die erste Liga. Es waren und sind Gespräche mit der Vorstandschaft, mit dem Steuerberater, mit der Marketing-Gruppe, mit der Presse und dem Fernsehen, mit der TTBL, mit der Stadt und dem Landrat wegen der Halle u.s.w.“

Was war der Anstoß oder das Schlüsselerlebnis für dich, das Königshöfer Tischtennis auf einen solchen Höhenflug zu führen: Binnen zehn Jahren von der Bezirksliga über sechs Meisterschaften in Folge zu vier Jahren 2. Bundesliga und nun in die 1. Bundesliga, die TTBL?

Albert: „Wir gehören zu den Top Ten im deutschen Tischtennis. Anstoß waren Kilian Ort und Christoph Schüller, damals acht bzw. zwölf Jahre alt. Man hat gesehen, dass sie das Zeug haben, mal sehr gut zu werden. Es hat auch damit zu tun, dass ich der Familie Ort sehr nahe stehe. Josef ist mein Freund seit der Kindheit und zu Kilian bin ich z.B. auch der Firmpate. Es war aber auch eine Äußerung des vorherigen Trainers und Machers des Königshöfer Tischtennis Reinhold Schäfer, als er aufhörte: `Das was ich erreicht habe, wird nie mehr kommen, da könnt ihr machen was ihr wollt.` Das hat gesessen. Noch so ein Erlebnis: ´Als Kilian 13 war, kam der Jugend-Bundestrainer Klaus Schmittinger nach Bad Königshofen und sagte uns, der Bub muss weg hier, zu einem großen Verein oder in ein Tischtennis-Internat, sonst gurkt er eines Tages bei euch in der Bayernliga rum. Der muss mindestens in die 2. Liga.` Da haben wir uns geschworen, das schaffen wir selber. Und vor einem halben Jahr forderte der Bundestrainer Jörg Roßkopf, ´Kilian ist jetzt Nationalspieler. Wenn er das bleiben will, muss er in die 1. Bundesliga.` Und wieder haben wir gesagt, jetzt sind wir so weit, das machen wir selber, sonst ist unsere Identifikationsfigur weg und der Traum ausgeträumt.“

Du bist nicht in dem Alter (56), in dem man über Vorbilder nachdenkt. Gibt es dennoch ein solches für dich als Manager oder ist das, wie du das alles händelst, dein eigener Weg?

Albert: „Nein, kein Uli Hoeness und so. Das ist ganz klar mein eigener Weg, auf dem ich immer wieder nach vorne schaue und neue Ziele setze. Das ist oft mit Bauchentscheidungen verbunden und manchmal auch mit Bauchweh. Es macht aber Riesen-Spass, weil es vorwärts geht und mich viele, viele Helfer dabei unterstützen. Wir haben zum Beispiel bei einem Heimspiel eine Mannschaft von 50 Helfern, das Team hinter dem Team: die Gruppe, die Boden verlegt und abbaut, die Marketing-Gruppe, die Betreuer der Streaming-Kameras und des Live-Tickers bis zum Catering. Alles Spieler oder Ehemalige oder Eltern der Jugendlichen.“

Du profitierst von einem unglaublich großen Netzwerk, hast Kontakte zu Spielern, Trainern, Managern in ganz Europa, ja sogar in Japan. Ihr habt mit Koji Itagaki einen japanischen Trainer und mit Akihito Kotanis Firma Shakehands einen Premium-Partner. Wie baut man so was auf?

Albert: „Die Tischtennis-Welt ist, ähnlich wie in Bad Königshofen, eine große Familie. Man lernt sich bei Großveranstaltungen kennen, und durch die neuen Medien wie Internet, Facebook, Twitter kommt es zu Kontakten, so dass die Welt auf einmal klein und überschaubar ist. Man muss natürlich auf Leute zugehen können. Es gibt aber auch Zufälle und man hat Glück, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein, um jemanden kennen zu lernen. Und, ganz wichtig, man muss ehrlich sein.“

Ganz Tischtennis-Deutschland spricht voller Respekt vom Königshöfer Modell. Du hast einen Vortrag über Livestreaming bei einer DTTB-Tagung in Berlin gehalten. TSV Bad Königshofen Tischtennis ist eine bekannte Hausnummer in Deutschland. Ist das mehr Belohnung oder mehr Ansporn und Verpflichtung?

Albert: „Du sagst es: Es ist alles drei. Es ist kein Punkt erreicht, an dem man sich zurück lehnt und sagt, so jetzt hab´ ich´s g´schafft. Man muss immer einen Spleen haben. Es gibt keine Pause. Man macht sich immer Gedanken, wie bringe ich das Ganze weiter. Jetzt müssen wir schauen, dass wir uns in der ersten Liga etablieren.“

Wenn du die Zeit zurück drehen könntest, würdest du dann dein Talent zu organisieren, mit Menschen zu reden und sie zu überzeugen, nicht gern hauptberuflich im großen, finanzkräftigen Sport einsetzen?

Albert: „Ich bin nicht unzufrieden mit meinem Leben. Aber wenn ich noch mal jung wäre, dann wäre das schon ein Beruf für mich, den ich systematisch erlernen würde. So war ja doch alles aus der jeweiligen Situation heraus entstanden: Vorwiegend learning by doing, sich die Hörner abstoßen, wie man hier sagt, Bewährtes wiederholen, etwas wagen und Neues ausprobieren, auch wenn man nicht genau weiß, wie es ausgehen wird.“

Du warst Fußballer und bist noch selber Tischtennis-Spieler. Was fasziniert dich an der Sportart Tischtennis?

Albert: „Es ist die Schnelligkeit, die Reaktion, die Dynamik, die Kopfarbeit, ähnlich wie beim Schach, kaum Verletzungsgefahr und dass man den Sport bis ins hohe Alter betreiben kann. Auf der Ebene, wie es unsere Bundesligamannschaft zeigt, sind es die tollen Ballwechsel, die Spannung und Dramatik, dieser Weltklassesport, wie die Jungs durch die Halle fliegen und sich die Bälle um die Ohren hauen und die Zuschauer begeistern. Wenn ich sehe, wie die Tribüne voll ist und tobt, ist das der Lohn.“

Was fasziniert dich an Kilian Ort, dessen Weg du von klein auf begleitet hast?

Albert: „Seine Bodenständigkeit, seine Natürlichkeit, sein Ehrgeiz und sein Riesen-Talent, seine Emotionalität, Ehrlichkeit und Fairness. Er ist sehr selbstkritisch und hat immer Bodenhaftung. Er ist ein herzlicher Typ, Heimat-verbunden und hat ja selber mal gesagt, er weiß, wo er her kommt. Das sagt alles.“

Welche Entwicklung traust du ihm als Einzelsportler noch zu?

Albert: „Dass er in der nahen Zukunft zu den Top-Spielern in Deutschland und Europa gehört, mal Stammspieler in der Nationalmannschaft wird. Unser gemeinsames Ziel ist, auch wenn er sich noch nicht dazu bekennt, Olympia 2020 in Tokio.“

Beim TSV haben über 70 Leute Spielerpässe von sieben bis 60 Jahren Tischtennis in 8 Jugend- und 6 Erwachsenen-Mannschaften. Wo siehst du z.B. die erste und zweite Mannschaft in den nächsten fünf Jahren?

Albert: „Die erste Mannschaft in der Bundesliga etablieren und die zweite an die Regionalliga heranführen.“

Womit würdest du die Leser des Gemee-Bläddla überzeugen, sich doch mal ein Tischtennis-Bundesligaspiel in Bad Königshofen anzusehen und sich vom TT-Bazillus infizieren zu lassen?

Albert: „Da reicht ein Besuch und sie kommen wieder.“

Vielen Dank für dieses Gespräch
und viel Glück für alles, was du dir noch vorgenommen hast

Der Bundesliga-Manager aus Schweinshaupten